Ästhetik im Museum – eine Wohltat für das Auge im Hessischen Landesmuseum Darmstadt

Ästhetik im Museum – eine Wohltat für das Auge im Hessischen Landesmuseum Darmstadt

Auch in Darmstadt wurde ein über sieben Jahre wegen Umbau geschlossenes Museum im September 2014 wieder eröffnet. Zu sehen sind in 13 Sammlungsbereichen etwa die Kunsthandwerklichen Sammlungen ab 1500, Jugendstil nach 1945, Gemäldegalerie und Block Beuys über die Geologie und Paläontologie sowie die Fossilien des Weltkulturerbes Grube Messel bis hin zur Mineralogie und Zoologie.

Beim Spaziergang durch das Museum fällt aber eines gleich ins Auge: die sehr angenehme Ästhetik der Präsentation der Objekte, aber auch die Raumwirkungen in den nicht immer einfach geschnittenen Räumen des Gebäudes des Architekten Alfred Messel. Ein übersichtliches Leitsystem, welches eine gute Orientierung gibt, führt Besucher direkt in die Ausstellungsebenen. Ein absolutes Highlight für Beuys Fans ist der Beuys Block, der in seiner Gesamtheit zum ersten Mal so in Deutschland zu sehen sind. Aber was vor allem ins Auge des Betrachters fällt, sind die Naturkundlichen Abteilungen des neuen Museums. Sie berühren nicht nur das Auge sondern auch den Geist und die Seele.

Immer wieder schauen Tiere den Besucher auf Augenhöhe, aber auch darüber an und ein Gefühl des Beobachten-Werdens stellt sich unwillkürlich ein. Einzelne riesige Vitrinen zeigen Tiere nach Größe oder Umfeld angeordnet und der Besucherblick schweift von einem zum anderen und die Tiere nehmen einen mit auf eine phantastische Bilderreise im Kopf. Stundenlang ließe es sich hier aushalten, denn die Tiere laufen hier nicht weg oder fühlen sich nicht angegriffen. Es herrscht ein friedvolles Miteinander, wie es die Natur eben nicht (mehr) hergibt oder vielleicht auch so nie gab. Nicht überfrachtet mit Informationstafeln, befinden sich in einem Abstand Sitzgelegenheiten und ein Display, auf dem beim Bewegen auf ein bestimmtes Objekt dann ausführliche Informationen erscheinen. Die sehr intuitive Art und Weise der Vermittlung weckt Neugier auf mehr und zieht vor allem Kinder in den Bann.

Erstaunlich auch, dass in einigen Räumen des Museums das Thema der Forschung mittels historischen Vitrinen präsentiert wird und ähnlich den Wunderkammern des 17. Jahrhunderts Objekte und Geschichten anschaulich gemacht werden. Es sind die vielen kleinen Dinge, wie Licht und Text, wie Vitrinenhöhe und Anordnung im Raum, die den Bereich so besonders erscheinen lassen.

Und immer wieder schweift der Blick auch zu ästhetischen Formationen von Objekten, wie etwa die Schneckensammlung, die sortiert wie eine Farbpalette so spannend daherkommt. Hier bleiben viele Besucher stehen und beginnen ihre Kommunikation über Lieblingsfarbe und Nuancen, über Größe und Gestalt der Tiere. So lebt Museum, oder etwa nicht?

Das Hessische Landesmuseum Darmstadt möchte kein Science Center sein, das wird deutlich. An nur wenigen Stellen finden sich haptische Exponate oder Dinge zum Ausprobieren. Dabei könnte sicherlich an der einen oder anderen Stelle mehr auch andere Sinne als Augen und Ohren aktiviert werden.

In einem langen dunklen Tunnel, der so gar nicht anmutig erscheint, befinden sich die Darmstädter Dioramen. Ganz in der alten Tradition, werden sie hier wieder gezeigt und sind sicherlich – wenn sie gefunden werden, denn sie liegen ein wenig abseits des Besucherflusses – ein weiteres Highlight für Familien. Die künstlerische Leistung ist neben den Präparaten die der Malerei der jeweiligen Nischen. Sie ziehen Besucher in den Bann und geben den Eindruck wieder als wäre man ganz nah dran in der Welt des Dioramas. Einer der Ort im Museum, die sicherlich zum längeren Verweilen einladen.

Ein wenig schade ist die Abgeschiedenheit des Museumscafés von der übrigen Ausstellung. In einem Gewölbeteil gelegen, ist bei guter Nutzung ein enormer Geräuschpegel vorherrschend, der nicht unbedingt Freude macht, dort länger zu sitzen. Aber immerhin gibt es dieses Café und die Karte kann sich sehen lassen. In jedem Fall lohnt sich ein Besuch vor, während oder auch nach dem Gang durch das Landesmuseum. Und wer etwas für Ästhetik übrig hat, wird begeistert sein.