Von Dirndln, Wikingern und dem Vergessen wollen. Eine Rückschau auf die EXPOCASE 2015

Von Dirndln, Wikingern und dem Vergessen wollen. Eine Rückschau auf die EXPOCASE 2015

Nun schon zum 4ten Mal präsentierte die Kommunikationsagentur simple aus Köln auf der Exponatec im November 2015 ein umfangreiches Ausstellungsprojekt und ein eintätiges Vortragsprogramm: Im Jahr 2015 stand alles unter dem Thema Identität und wollte Tendenzen, Impulsen und Positionen zum Ausstellen in aktueller Zeit auf den Grund gehen.
Neben kleinen Präsentationsflächen verschiedener Agenturen und Projekten bot das Vortragsprogramm einen regen Austausch und Diskussion über Identitäten. Und dass dieses Thema auf ganz unterschiedliche Art und Weise in Ausstellungen Anwendung finden kann, das präsentierten die Redner in interessant vielfältigen Formaten.
Sehr gelungen war sicherlich der Ansatz der International School of Design Köln, die sich mit dem aktuellen Phänomen der Selfiekultur auseinandersetzte – auch auf kritische, aber auch unterhaltsame Weise. Marc Tamschick von Tamschick Media and Space aus Berlin präsentierte mitreißende Konzepte, bei denen Identität präsentiert oder gestiftet wurden. Vor allem seine kritische Betrachtung von Medieneinsatz – weniger ist auch hier manchmal mehr – trug zu einer lebhaften Diskussion bei.
Dass der Bundesligafußball eine große Identität für Fans sein kann, stellte Astrid Wegner für das FCK Museum Kaiserslautern vor. Wie jedoch die umfangreiche Sammlung des Museums, die zum größten Teil von Fans und Anhängern des Vereins stammen, letztlich auch Menschen außerhalb dieser Gruppe interessant präsentiert werden kann, blieb allerdings offen.
Weitgehend schuldig blieb leider im Vortrag von Jons Messedat aus Stuttgart über gebaute Identitäten von Firmenmuseen der Blick auf Architekturen dazu. Gezeigt wurden viele Beispiele über Innendesigns von Shops oder Schaufenstern oder eben auch Markenausstellungen. Wie aber Gebäude in ihrem äußeren und inneren Erscheinungsbild etwas über die Identität des Unternehmens oder der Marke aussagen, konnte nicht beantwortet werden.
Martina Affenzeller von zunder zwo aus Wien präsentierte ein wunderbares Beispiel für Identitäten gestern und heute anhand der Wikingerausstellung auf der Schallaburg in Niederösterreich. Mittels Interventionen unter der Fragestellung „was ist Wahr an dem was war?“ arbeiteten sie mit direkten und offenen Fragestellungen etwa schon am Besucherparkplatz zur Ausstellung hin und konfrontierten Besucher von Anfang an mit eigenen Fragestellungen. Denn was haben Wikinger und Österreicher wohl gemeinsam?
Einen Blick in das Museum Plantin-Moretus in Antwerpen erlaubte Odette Peterink, die von einem Projekt zur Identität von und mit Migranten in der Stadt berichtete. Und was Heimat mit Dirndl zu tun hat und wie Identität auch künstlich erzeugt werden kann, zeigte Maria Lang vom Historischen Museum Regensburg. In einer erfrischenden und spannenden Präsentation legte sie die Recherchen aus dem Vorfeld der kommenden Ausstellung über Trachten anschaulich dar und stellte berechtigterweise die Frage, welche Identität von Dirndl und Co. geschaffen wurde und aktuell wird und was das noch mit Identität zu tun hat.
Zum Abschluss der Vortragsreihe warf dann auch Nina Holsten von gwf-ausstellungen in Hamburg mehr Fragen zur Identität auf, als Antworten dazu zu geben. Am Beispiel der Gedenkstätte Husum wurde deutlich, dass dieser Ort eine lange – vielleicht zu lange? – Zeit in der Identität der Bevölkerung vor Ort negiert und ausgeblendet wurde. Erst mit einer privaten Initiative entstand die Gedenkstätte, die aufzeigen aber auch zum Denken anregen möchte.
Die anregenden Diskussionen und Beiträge aus dem interessierten Publikum zeigten wieder einmal, dass das Thema Identität in seiner Vielfalt und deren Umsetzung an Aktualität nicht verloren hat. Vielleicht wird 2017 zur nächsten EXPOCASE das Thema noch weiter gedacht? Ein herzliches Dank an die Agentur simple aus Köln, sich dieser Thematik zu stellen.

Bilder-Copyright: simple GmbH/Annika Feuss.