Nach dem Spiel ist vor dem Spiel – das Deutsche Fußballmuseum in Dortmund

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel – das Deutsche Fußballmuseum in Dortmund

Mit der Eröffnung des Deutschen Fußballmuseums im Oktober 2015 ist die Stadt Dortmund um eine Attraktion reicher. Wenige Monate nach der Eröffnung des Deutschen Fußballmuseums in Dortmund, begrüßten die Betreiber des Hauses den 100.000sten Besucher. Mit einer solch großen positiven Resonanz konnte man sicherlich rechnen, denn das Flair von Neuen und bisher Nicht-Gesehenem fasziniert Besucher jeden Alters – so auch oder gerade beim Fußball.

Wie gut, dass die Mannschaft um Jogi Löw denn auch 2014 den 4. Weltmeistertitel gewann und damit auch die jüngste Geschichte Eingang ins Museum gefunden hat. Sicherlich eine der größten Besuchermagnete, die das Haus hat.

Mittel- und langfristig besteht für Macher und Betreiber allerdings die wirkliche Herausforderung darin, Besucher auch zum Wiederkommen zu motivieren. Aber warum sollten Besucher wieder ins Deutsche Fußballmuseum kommen? Nach einem weiteren Titel der Nationalmannschaften – allen voran der Herren – wäre das sicherlich ein Grund. Aber gibt es weitere Gründe, die für ein Wiederkommen sprechen? Welche könnten das sein?

Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten, denn das Museum zeigt eine solche Fülle und Vielfalt von Fußballgeschichte, dass der Besucher doch so allein gelassen wird zwischen den wirklichen Originalen und den weniger wirklichen Originalen. Und das ist eine weitere Schwierigkeit. Was ist denn nun hier Original und was nicht? Der Umgang mit der Kennzeichnung von Objekten ist doch sehr fragwürdig. Ein Beispiel gefällig? Wird der WM Pokal von 2014 als Faksimile bezeichnet – das einzige Original bleibt stets bei der FIFA – so ist die Erwartung des Besuchers doch eher, dass er hier DAS Original sehen kann. Dass es sich dabei um den Original WM Pokal handelt, den Philipp Lahm zuerst in die Luft reckte am Abend des Triumphes. Das bleibt leider offen.

Ein anderes Beispiel für die Inkonsequenz im Umgang mit der Objektbeschreibung ist dann etwa das Stadionmodell aus Legosteinen und –figuren. Das originale Objekt dient als Beschreibung derjenigen Aufgaben im Stadion während eines Spieltages. Die Geschichte des Modells und warum es hier als Objekt Eingang in die Ausstellung gefunden hat, bleibt offen. Hier wäre interessant zu wissen, woher das Modell stammt, was seine Geschichte ist und warum es nun für die vielen Arbeitsbereiche im Stadion dies veranschaulicht. Stattdessen ist eine weitere Information dazu nicht zu finden.

Warum ist das wesentlich? Weil Besucher, wenn sie ein Museum besuchen, ganz bewusst auch damit rechnen, Originale zu sehen. Denn wo, wenn nicht in einem Museum, kann ich denn sicher sein, dass es sich um die Originale handelt? Der Besucher wird hierzu im Deutschen Fußballmuseum recht alleine gelassen.

Ein weiterer Aspekt – der des Wohlfühlens – ist ein wesentliches Argument für einen wiederkehrenden Museumsbesucher. Leider gibt es im Museum dazu wenig Raum und Möglichkeiten. Oder andersherum gefragt: was wären dies für Räume oder Situationen? Elementar für eine empathische Ausstellung, ein besucherfreundliches Museum oder eine interessensgruppenspezifische Markenwelt wichtig sind u.a. folgende Merkmale:

  1. Orientierung
  2. Licht
  3. Pausenstopps
  4. Partizipation
  5. Willkommensgeste und Verabschiedung
  6. Etwas zum Mitnehmen

Nicht auf alle genannten Punkte kann eingegangen werden. Aber das in einer Co-Produktion von Triad Berlin über viele Jahre geplanten Museums, kommt so gar nicht museal ansprechend für die heutige Zeit daher. Zwar flimmern Medienwände und rauschen Stimmen durch die Räume, was lange ein Zeichen für ein innovatives Museum war, doch das Thema Partizipation kommt so gänzlich zu kurz im ganzen Haus. Klar ist, dass der Besucher am Ende ein wenig auf dem Kleinfeld kicken kann. Aber jeglicher weiterer Einbezug des Besuchers in die Ausstellung findet nicht statt. Die Räume kommen eher daher als wären es offene Sammlungs- oder Magazinbereiche, in denen viele viele Objekte mit ihren Geschichten liegen, ohne Hierarchie und Bewertung, ohne Einordnung in die Geschichte und ohne roten Faden. Viele Themen werden behandelt aber viele eben auch nicht.

Hier wäre ein intensiverer Einbezug der Besucher in die Ausstellung, in einzelne Themen wünschenswert. Gerade dieser Punkt wird zukünftig einer der Schlüssel für den Erfolg des Fußballmuseums sein. Denn wo nur Einbahnstraßen-Kommunikation herrscht, da fühlt keiner sich wohl. Aber machen Sie sich auch ein eigenes Bild vom Deutschen Fußballmuseum. Viel Spaß!