Work in progress – das Museumsprojekt des 1. FC Kaiserslautern

Work in progress – das Museumsprojekt des 1. FC Kaiserslautern

So einfach ist der Betzenberg in Kaiserslautern nicht zu erreichen. Nicht gerade auf der Hauptreiseroute Nord-Süd oder Ost-West gelegen, thront auf ihm das Stadion des heimischen Clubs und begeistert tausende Fans der Region fast jede Woche. Die größten Erfolge liegen beim „Herz der Pfalz“, wie der Verein gerne genannt wird, schon einige Jahre zurück. Doch auch dieser Verein hat verstanden, mit seiner Geschichte zu arbeiten und sie einzusetzen in der aktuellen Kommunikation. Hier wird mit historischen Bildern und Motiven ebenso gespielt wie Anlehnungen an glorreiche Zeiten heraufgeschworen. Die Roten Teufel – ein weiterer Name der Mannschaft – erscheinen in einem Retro-Look der 50er Jahre und belebt den Mythos Betzenberg.
Ein weiterer Baustein zu Pflege und Erhalt der Vereinsgeschichte stellt das in Planung befindliche FCK Museum dar. In einem Teil des Stadions ist die derzeitige Ausstellung untergebracht, die sich u.a. dem Aufbau des Museums widmet. Und das in glanzvoller Weise – weniger mit Hochglanzvitrinen, sondern mit einer sehr sehenswert klugen Konzeption und mit viel Fußballherz.
So arbeitet hier die Kuratorin Astrid Wegner mit der Idee der Transportkisten und Paletten, die als Objektträger und Präsentationsfläche dienen. Das passt recht gut zu dem karg anmutenden Stadionraum, der doch so gar nicht an ein Museum erinnert. Aus diesem Spannungsfeld – authentische und mit viel Aura versehende Objekte auf der einen Seite und eine Industrielagerhalle auf der anderen Seite – ergibt sich eine Ausstellung, die durchaus mehr bietet als reine Selbstinszenierung.
Da wäre zum einen das „unvollendete Konzept“, das es eigentlich ja noch kein Museum ist und sein will, sondern erst mit den weiteren Objekten und Geschichten zu einem wirklichen Museum werden kann. Wie es in Zukunft aussehen könnte, wird ebenso thematisiert und gleichzeitig auch der Aufruf gestartet, mit weiteren Objekten dazu beitragen zu können. Da es aber weniger um ein wahlloses Sammeln und Ausstellen geht als um eine gezielte Ausschau und Suche nach bestimmten Objekten, hat sich die Kuratorin Astrid Wegner mit einer Gruppe Ehrenamtlichen des Vereins etwas Besonderes überlegt. Neben den Objekttexten, die auf Packzetteln gedruckt sind, gibt es direkt daneben auch Wunschlisten. Also diejenige Liste von Objekten, die noch fehlen, um die Geschichte und die Themen noch besser erzählen und zeigen zu können. Dies macht das Konzept so interessant, dass direkt an der Vitrine und damit an den Objekten, der Besucher eingebunden und aufgefordert ist, die Ausstellung zu bereichern. Damit ist zum einen dem ziellosen Sammeln von Fußballraritäten ein Riegel vorgeschoben, aber auch dem Besucher ein Angebot gemacht, sich aktiv einzubringen. Diese Form der Partizipation stellt ein gelungenes Beispiel für ein empathisches Ausstellungskonzept dar.
An einer Sammelwand wird auch über die Neueingänge von Objekten berichtet. Mit Bild und Text dokumentiert, schafft diese besondere Form der Kommunikation Identität und Empathie für den Club und langfristig auch für das Museum. Insofern ist das FCK Museum schon in seiner jetzigen Form eine wirksame Marketing-Maßnahme, die den Kunden – in dem Fall Fans und Anhänger des Clubs – abholt und seine Erwartungen und Wünsche bedient. Aber es führt noch weiter! Die Ausstellung schaut in großem Maße durch die Kunden-/Fanbrille und macht ihn zu einem Teil des Vereins. Er fühlt sich geschätzt und respektiert und direkt in den Verein eingebunden, denn er darf aktiv partizipieren. In der Markenkommunikation wird von „Dein Freund die Marke“ gesprochen, wenn es um die Vermittlung von Ehrlichkeit, Glaubwürdigkeit und Nachhaltigkeit von Marken geht. Die Ausstellung des FCK auf dem Betzenberg zahlt hierin ein, indem sie Besucher einlädt, den Club als seinen ganz persönlichen Freund zu sehen. So ist die Ausstellung der ideale Ort der Markenkommunikation des Fußballvereins 1. FC Kaiserslautern.